Sophie Richter
Schreibt für Mein schwerer Hund
Über mich
Vor vier Jahren habe ich einen anderthalbjährigen Mischling aus einer rumänischen Pflegestelle übernommen. In den ersten Monaten in unserer Altbauwohnung im Kölner Norden hat er direkt neben der Eingangstür auf dem verwitterten Parkett geschlafen. Ich dachte, das ist gut: klarer Rückzugsort, fester Platz. Was ich noch nicht verstanden hatte, war, dass dieses Körbchen zwei Jahre später zum Dreh- und Angelpunkt vieler angespannter Momente werden würde.
Er hatte schon früh gekniffen. Ich habe das damals nicht ernst genug genommen. Vor zwei Jahren hat er einen Besucher gebissen, in die Hand, zwanzig Sekunden lang nicht aufgepasst. Bluterguss, Notaufnahme, Anzeige, Ordnungsamt. Seitdem Maulkorbpflicht im öffentlichen Raum, Wesenstest bestanden, laufende Zusammenarbeit mit einer Tierverhaltenstherapeutin aus Köln, und parallel dazu zwei Online-Kurse vollständig durchgearbeitet.
Von Beruf bin ich Sozialarbeiterin. Im Beratungsalltag habe ich ständig mit Menschen zu tun, die Traumareaktionen zeigen, die nach außen wie schwieriges Verhalten aussehen. Ich weiß, wie man das einordnet, wie man nicht reflexartig reagiert. Dann kommt mein Hund ins Zimmer, knurrt, wenn meine Freundin zu nah an sein Körbchen kommt, und mir fällt auf, dass ich denselben Grundsatz (erst verstehen warum, dann handeln) im eigenen Flur noch mal von vorne lernen muss. Diese Parallele ist mir noch kein einziges Mal gleichgültig geworden.
Auf der Seite stehen Notizen über konkrete Kurse: Methoden, die bei meinem Hund etwas gebracht haben, und solche, die das ausdrücklich nicht haben. Die Tierverhaltenstherapeutin begleitet den Prozess, und was Kurse versprechen, prüfe ich daran, was ich in dieser Zusammenarbeit tatsächlich beobachte.
Einen Trainerschein habe ich nicht, auch keine tiermedizinische Ausbildung. Was ich einbringe, sind vier Jahre mit diesem einen Hund, Protokollnotizen aus der laufenden Therapie und die Berufsperspektive einer Sozialarbeiterin, die täglich mit Traumareaktionen arbeitet. Das steht in jedem Artikel dabei.
Eine Freundin hat mich irgendwann gefragt, ob ich die Notizen hochladen kann. Niemand schreibe so ehrlich über Beisserhunde, hat sie gesagt. So ist diese Seite entstanden.
Mein Hund schläft immer noch meistens im Flur. Manchmal knurrt er, wenn jemand zu nah an sein Körbchen tritt. Es geht langsam vorwärts.
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